Countrystimmung und karibisches Flair

AICHWALD: Goldgelb-Festival begeistert am Wochenende mit einem hochkarätigen Musikprogramm

Vor wenigen Tagen noch hatte man die Bilder vor Augen, die vom Heavy Metal-Festival in Wacken über die Medien ausgesandt wurden. Frenetisch feiernde Metalheads suhlten sich im Schlamm des aufgeweichten Ackers und lauschten ihren Idolen. Da haben es die Goldgelb-Besucher wesentlich besser. Das Wetter-Hoch "Dörte" bescherte ihnen am Wochenende Sonne und hochsommerliche Temperaturen, so dass sie das Gelände mit unversehrter Garderobe verlassen konnten. Und Gründe frenetisch zu feiern gab es für sie ebenfalls zuhauf.

Das lieft in erster Linie an dem gründlichen Auswahlverfahrendes Musikteams, das schon Monate vor Festivalbeginn Bands sichtet, die für Goldgelb in Frage kommen. "Die Musiker müssen in unsere Konzeption passen und qualitativ hochwertige Arbeit abliefern. 08/15 Bands haben bei uns keine Chance", sagt Pressesprecher Ingo Weiss. In diesem Jahr gingen noch mehr Bewerbungen ein als in den Jahren zuvor, was von Weiss und seinen Kollegen als untrügliches Zeichen dafür angesehen wird, dass das Festival auch in Musikerkreisen an Bekanntheit gewinnt. "Viele Gruppen können sich gar nicht vorstellen, was wir hier machen und sind dann von dem Gelände, der Technik und der Organisation sehr positiv überrascht."

Musiker werden rundum betreut

Darüber hinaus achtet das Goldgelb-Team darauf, dass es den Musikern gut geht und sie sich ernst genommen fühlen. "Sie erhalten von uns einen Rundum-Betreuungs-Service. Das zeigt ,wie wichtig sie uns sind und das geben sie uns auf der Bühne zurück."

Dass dieses Engagement Früchte trägt, zeigte die hohe Spiellaune, mit der die Künstler am Freitag und am Samstag zu Werke gingen. Die Einstimmung auf das Wochenende übernahm die Folk-Rock Formation IrishStew aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Mit ihrer Mischung aus irischen und schottischen Traditionals und eigenen Kompositionen lieferten sie die musikalische Untermalung zum hochsommerlichen Festtreiben. Die drei Damen und drei Herren ließen sich von der anfänglichen Zurückhaltung des Publikums nicht beirren. Mit Pub-Klassikern wie "Irish Rover" , "Dirty Old Town" und "Wiskey in the Jar" knackten sie auch die hartnäckigsten Stimmungsverweigerer und heizten ordentlich für The Twang vor.

Die fünf Cowboys aus Braunschweig haben es sich zur Aufgabe gemacht, bekannte Pop- und Rock-Songs zu countryfizieren. In ihrer Bearbeitung werden Songs wie "Rehab" von Amy Winehouse oder "Sound of Silence" von Simon and Garfunkel zu Trucker-Hymnen, der Gassenhauer "Dschinghis Khan" mutiert zum Western Soundtrack und Punk Perlen wie "Blitzkrieg Bop" von den Ramones entpuppen ihr Mitschunkel-Potential. Mit launigen Ansagen und einem Parforce-Ritt durch die ewigen Countygründe des Pop-Business verwandelten die das Gelände in einen wonnetrunkenen Saloon. Sänger Hank zeigte sich begeistert: "Ihr habt das am liebevollsten gestaltete Festival", teilte er dem Publikum mit und schlug vor, "Goldgelb" jedes Jahr auszurichten.

Profitieren würden The Twang von dieser Änderung nicht. Denn zum Prinzip der Veranstalter gehört, dass jede Band nur einmal auf dem Festival auftreten kann. Die Auswahl an guten Bands ist groß, zumal sich das Musikteam auch in Österreich und in der Schweiz umsieht, erläutert Ingo Weiss.

Auch in diesem Punkt erweist sich das Festival als außergewöhnlich, denn wie sonst könnte man neue Stimmen für sich entdecken, wie etwa Anica Abeyé, die den Samstagabend musikalisch eröffnete. Die attraktive Chanteuse mit indischen Wurzeln trägt den Soul in ihrer Stimme. Mal weich, mal hart, aber immer mit viel Druck, intonierte sie mit ihrer Band gefällige Pop-, Soul- und Blues-Songs aus eigener Feder und groovte sich entspannt durch rockige Cover-Versionen von Police, Alanis Morissette und Nirvana.

Gut gebuchte Größe

Dass die Stuttgarter Latin- und Reggae-Formation Agua Loca am Samstagabend zum ersten Mal beim Goldgelb-Festival auftrat, ist erstaunlich, schließlich gilt sie als eine gut gebuchte Größe und das nicht nur innerhalb der Region. "Das liegt wohl daran, dass wir in den Anfangsjahren Reggae nicht auf dem Radar hatten", erklärt Ingo Weiss. Die Entscheidung , sich auch diesem Stil zuzuwenden, entpuppte sich als richtig. Die Gruppe, die erstmalig ohne das erkrankte Gründungsmitglied Peter Schick antreten musste, füllte bereits mit den ersten Tönen ihres Openers "Mandame" die Tanzfläche vor der Bühne. Sie sollte sich an diesem Abend nicht mehr leeren. Die drei Vokalisten und sieben Musiker machen mit ihrem rhythmischen und dynamischen Spiel und einer unterhaltsamen Setliste, die eigene Hits wie "Vamonos" und "Venga Tia Mia" sowie Fremdkompositionen wie "la Vida Loca" und "Summertime" umfasst, das karibische Flair perfekt.

Presseschau Esslinger Zeitung 19.08.2013 von Olaf Nägele

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