Im Fiedel-Wettstreit mit dem Teufel

Remagen 2017

Foto: Gausmann

"IrishStew" trotzen den widrigen Bedingungen beim "Lebendigen Marktplatz"

Remagen. Günstige Wetterbedingungen für die diesjährige zweite Ausgabe des "Lebendigen Marktplatzes" in Remagen sehen anders aus. Die Band "IrishStew" musste gegen teilweise kühlen Nieselregen anspielen, traf aber auf ein von der ersten Note begeistertes Publikum. Nur in Sachen Mitsingen und -tanzen mussten die Remagener etwas animiert werden. Als aber die ersten Dämme gebrochen waren und der Himmel sich etwas beruhigte, wurde es ein ausgelassener Abend.

Gerade einmal etwa 200 Besucher ließen zu Beginn des Abends große Lücken auf dem Marktplatz klaffen. Mit fortschreitendem Abend und dem ein oder anderen blauen Flecken am Himmel wurde es dann jedoch merklich voller vor dem Rathaus. Mit "Far Away" und "Raggle Taggle Gypsies" hob das Konzert flott an und Bravo-Rufe waren schon nach der ersten Nummer zu vernehmen.

Frontmann Günter Koch, gerade noch ganz nah an den Besucherrängen, ließ er im nächsten Moment seine Mandoline zittern und legte gleichzeitig ein kleines Tänzchen hin. Christy Moores "As I Roved Out" nuschelte er zunächst dunkel ins Mikro, um sich dann in Klarheit zum lautmalerischen Teil aufzuschwingen.

Sängerin Stefanie Horn gab eine gefühlvolle Version von Juli Fowlis "Touch the sky", zu dem erste blaue Himmelsfetzen durch die grauen Wolken sichtbar wurden. Mit einer eigenen, deutschen Liedzeile zu "The Great Song of Indifferenz" aus der Feder Bob Geldorfs waren wieder die Zuschauer gefragt, die der Einladung der Musiker immer geneigter entsprachen.

Star des Abends war Birgit Heydel an der Violine. Von Anfang an waren ihre Solo-Künste gefragt und sie huschte nur so über die Saiten. Höhepunkt war "The Devil Came to Ireland". Im großen Fiedel-Wettstreit mit dem Fürsten der Unterwelt, dargestellt durch Frontmann Koch, flogen musikalisch die Fetzen. Virtuos durchmaßen die Geigerin und der Mandolinist die Griffbretter ihrer Instrumente und sorgten für große Begeisterung. Schließlich musste sich - wie im Liedtext - der Teufel den überragenden Fähigkeiten von Heydel unterwerfen, der Applaus brandete umso euphorischer.

Mit der Eigenkomposition "On the Road" kamen die sechs Musiker wieder auf dem Boden der Gegenwart an und sangen vom Alltagsleben auf Tour, respektive dem , was man sich als aufstrebender Musiker darunter vorstellt.

Bei gutem Essen, guter Musik und guten Gesprächen waren die Regentropfen in Temagen schnell vergessen und je später der Abend, desto lebendiger wurde das Konzert, das niemand ohne Bereicherung verließ.

Bonner Generalanzeiger von Sebastian Kirschner, 14.08.2017

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